von leuchtreklamen und feministischer literatur
- Leonie Adler

- 7. Feb. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Wenn ich Bücher über Feminismus lese, dann macht das oft keinen Spaß. Das müssen keine Sachbücher sein, dass können auch Geschichten sein, die von Frauen erzählen, Autorinnen, die es geschafft haben, ein Stück Realität so einzufangen, wie es sich für viele von uns Frauen anfühlt.
Sie alle erzählen davon, wie durch scheinbar willkürliche Wendungen im Leben dieser Frauen Dinge nicht passieren, Wünsche und Lebensentwürfe unerfüllt bleiben oder unter den schäumenden Wellen des Alltags begraben werden und das ungute Gefühl das in der Magengegend bleibt, ist bei allen das selbe - dass es am Ende eben doch nicht so willkürlich war, wie es auf den ersten Blick scheint sondern, dass dahinter ein System steht in dem Frauen nach wie vor bloß zweitrangig sind obwohl sie (hier in Deutschland) mittlerweile wählen dürfen und ihre eigenen Kreditkarten haben.
Es ist mir also in den letzten Jahren beim lesen feministischer Literatur oft passiert, dass ich Bücher las und mich verstanden, gesehen fühlte. Das ich mich wiederfand in den Gefühlen und Gedanken dieser teils fiktiven, teils realen Frauen.
Man könnte meinen es solle doch tröstend sein zu merken, es gibt andere da draußen, die eine ähnliche Erfahrung mit der Welt machen und doch ist dass nur ein Teil dessen, was ich dabei empfinde.
Der andere Teil ist die Ohnmacht. Sie ist viel schwerer und lähmender als der Trost schmeichelnd ist.
Denn was heißt das für unsere Welt, dass mir fremde Frauen aus teils anderen Ländern über die Bürden des Frau-sein berichten, und ich und viele andere Leserinnen diese Bücher lesen und wir uns darin finden?
Warum teilen wir so viele dieser Empfindungen und so wenige dieser Geschichten?
Ich glaube, viele von ihnen halten wir für privat, vielleicht zu intim oder wir schämen uns sogar dafür.
Das kann sein, dass schon wieder ein Mann wie mit einem Rasenmäher über meine Grenzen gefahren ist, dass ich den Sex mit meinem Freund nicht genieße, ohne so richtig zu wissen warum oder dass wir uns zum hundertsten Mal fragen, warum Männer zum tanzen eigentlich immer so viel Platz brauchen und Frauen sich Aal-ähnlich durch die Menge schieben und dabei versuchen so Wenige mit ihrer Präsenz zu stören wie möglich. Wir Frauen, wir lernen leise zu sein und das lange bevor wir überhaupt Frauen sind.
Das ist es, wo die Ohnmacht ihren Ursprung hat.
Das heißt auch, dass es nicht die Bücher sind oder die darin erzählten Geschichten, die uns dieses Gefühl geben, sie weisen uns nur darauf hin, dass es bereits in uns ist.
Wie oben bereits kurz erwähnt ist die Scham ein sehr relevantes Tool (Werkzeug) in der Erziehung von Mädchen und Frauen, wir schämen uns für vieles und schämen heißt, wir tun das allein. Wenn ich also diese Bücher lese, dann fühle ich den Trost, mit dieser Scham nicht allein zu sein, ich fühle den Frust dass es vielen von uns so geht und da schwingt mit, dass die Aufgabe daran etwas zu ändern viel zu riesig erscheint. Doch warum ich weiter lese, warum ich reinkrieche in diese Scham und anfange mich in ihr wohl zu fühlen ist weil in diesen Büchern Reibung stattfindet. Weil in diesen Büchern über das gesprochen wird, wofür so viele sich schämen. Und dann merken wir plötzlich, dass die Scham nur so lange Macht über uns hat, wie wir schweigen.

Mir ist bewusst, nicht jede hat die Ressourcen und mentalen Kapazitäten, sich in einen öffentlichen Diskurs um schambehaftete Themen zu stürzen, nicht jede möchte das. Und noch viel weniger wollen viele ihr Leben mitsamt all den Scham behafteten Themen in die Öffentlichkeit stellen.
Doch ich, ich bin bereit dazu, solange ich die Ressourcen habe. Denn durch das lesen dieser Bücher kommt eine Wut in mir auf, darüber, wieviel ich dachte Schweigen zu müssen. Und diese Wut wird in mir zum leuchten wenn ich merke, dass mein Tool dass reden und schreiben ist.
In meinem letzten Post habe ich über das Leuchten gesprochen, dass entsteht wenn wir durch schwere Konversationen etwas bewegen.

Ein paar Wochen später schrieb Jaqueline Scheiber in ihrem frisch erschienenen Buch ungeschönt so treffend dazu: es braucht Menschen, die die Scham von Vielen benennen und keine Angst davor haben, mit ihr in einem Raum zu stehen, damit Andere sich damit identifizieren können - es braucht diese Leuchtreklamen unter uns um Veränderung gestalten zu können. Sie ist bereits eine und sie ist eine meiner Idole wenn es darum geht sich verletzlich und ehrlich zu zeigen! Sie ist auch eine von denen, die mich zum Leuchten bringen und das hier, dass ist der Anfang für mich, selbst zu einer Leuchtreklame zu werden!
Ich möchte euch die nächsten Wochen einige Bücher vorstellen, feministische Literatur, die sich mit all diesen Themen die ich oben beschrieben habe beschäftigen.
Dienstag ist von heute an Buchtag! Wenn es euch interessiert kommt vorbei, hier auf meinem Blog, ich freu mich auf euch!





Kommentare