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Weil wenig so viel sein kann

  • Autorenbild: Leonie Adler
    Leonie Adler
  • 31. Mai 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Es brauch nicht viel. Einen Rucksack, eine Matratze, ein paar Klamotten und die Fähigkeit ordentlich zu schwitzen weil man bei der Hitze sonst eingeht. Ich bin nun seit sechs Wochen mit eben diesen (simplen) Dingen unterwegs und ich kann nicht anders als mich fragen: Kann das Leben nicht eben genau so einfach sein? Irgendwo essen, irgendwo schlafen und am besten da wo’s schön ist?

Es ist natürlich hoch privilegiert so über sein Leben denken zu können. Aber der Alltag dem ich tagtäglich zuhause in Europa hinterher eifere ist ja noch viel größer. Da geht es schon längst nicht mehr ums überleben sondern viel mehr um die anerzogene Idee das Produktivität den Wert unserer Selbst bestimmt.

In einem System das Faulheit verpönt, Freuden auf teure kleine Luxusmomente reduziert, haben wir verlernt was es bedeutet wenig zu brauchen. Vielleicht haben wir sogar aufgehört uns zu fragen ob irgendwas jemals genug sein kann. Stattdessen meinen wir so viel zu brauchen und sind dann letzten Endes doch noch immer nicht zufrieden. Seit ich reise brauche ich weniger Geld, gehe mit der Sonne ins Bett, stehe früh auf und bewege mich fast ausschließlich in der Natur. Wer hat uns erzählt, dass acht Stunden Jobs in geschlossenen Büro Räumen der Weg zum glücklich sein sind und vor allem - warum haben wir ihnen geglaubt?

Nach drei Jahren gestriegeltem Uni Alltag taumelte ich in der Neugewonnen Freiheit anfangs völlig orientierungslos herum. Doch ich beginne mit einem neuen Rhythmus im unbekannten, ungeplanten Alltag.



Einer der wohl größten Unterschiede am reisen ist die Unverbindlichkeit mit der man Orten und Menschen begegnet. Es lebt sich frei nach dem Motto heute hier morgen dort und wer auch da ist ist eben da und wer nicht, der nicht. Alles ist ständig in Bewegung und es gibt wenige Orte an denen Menschen länger bleiben als die obligatorischen drei Tage um die umliegenden Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Auch wenn ich diesem Sog manchmal selbst folge und durchaus Probleme damit habe mich für längerfristige Zeit an einen Ort zu binden, entsteht doch auf magische Weise etwas ganz anderes, neues wenn ich mich doch entscheide zu bleiben. Denn Gewohnheiten an einem neuen Ort zu entwickeln, die Bäckerin und den Obstverkäufer wiederzuerkennen und Leute auf der Straße zu grüßen - es verändert nicht nur den Ort sondern auch mich.

Umso schwere fällt es mir Sámara nach zwei Wochen wieder zu verlassen. Ich bin mir zu dem Zeitpunkt nicht sicher ob ich wieder kommen werde oder ob es das fürs erste gewesen sein würde. Vielleicht ist es deshalb auch so schwer, manchmal länger zu bleiben… Wenn man dann wieder geht lässt man immer auch einen Teil seiner Selbst dort zurück. Und das ist schön und schwer weil man anfängt an einem Ort wieder mehr zu haben, nicht mal materiell sondern eher emotional. Und dann zieh ich wieder los in das Wenige, mit mir und meinem Rucksack.




 
 
 

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